Konjunktur und Geld in Deutschland (Teil 1) – moneyblitz.de
 

Konjunktur und Geld in Deutschland (Teil 1)

| Posted in Finanzen

Viele von uns kennen die Lehren zur Konjunktur aus der Volkswirtschaft. Aufschwung, Abschwung, Depression oder Hochkonjunktur sind Begriffe dieser Lehre. Oftmals wird dies jedoch für zu kurze Zeiträume gefasst. Eigentlich sind solche Zyklen viel, viel länger, als von manchem Betrachter angenommen. Das Deutschland nach dem Ende des 2.Weltkrieges macht dies sehr gut sichtbar.

Die 50iger Jahre werden oft auch als goldene Jahre bezeichnet. Eine andere Formulierung spricht vom sogenannten Wirtschaftswunder. Die Begründung ist recht profan. Die Zerstörungen des Krieges machten einen umfassenden Neuaufbau erforderlich. Dies bedeutet viel Arbeit und damit natürlich viele Arbeitsplätze. Dies generiert, sozusagen, einen langfristigen und sehr steilen Aufschwung. Passend hierzu gestaltete sich die damalige Gesellschaft. Der Vater ging der Arbeit nach, die Mutter führte den Haushalt und kümmerte sich um die Kinder.

In den 60iger Jahren gab es keine sonderlichen Änderungen in diesem Szenario. Die Menge der Arbeit überstieg das Potenzial an Personal. Insoweit etablierten sich Gastarbeiter in Deutschland, ohne die es nicht funktioniert hätte. Es gab einfach zu viel Arbei für zu wenig Menschen in Deutschland. Ende der 60iger war die Hauptschule bevorzugte Schulform – 80 bis 90 Prozent der Kinder und Jugendlichen besuchten diese Schulform.

Die ersten Veränderungen ergaben sich in den 70iger Jahren, wobei man hier Trends und spätere Wirkung gut beobachten kann. In den 70iger Jahren wurde beispielsweise erstmalig erkennbar, dass Rohstoffe knapp sind und eine Verteuerung zu erwarten ist. Erstes Indiz war die Ölkrise Mitte der 70iger Jahre. Die 70iger sind aber auch das Jahrzehnt der hohen Inflationsraten. Viele Faktoren spielten eine Rolle. Die Gesellschaft war im Wandel (Pillenknick), der Lebensstandard stieg, höhere Energiepreise und hohe Forderungen der Gewerkschaften waren die Folge. Dies führte zu Tarifabschlüssen, die teilweise durchaus 12 bis 15 Prozent betrugen. Solch eine hohe Inflation führt im Regelfall zu einer Gegenbewegung, die da Rationalisierung heißt. Die Firmen versuchen hiermit gestiegene Personalkosten zu kompensieren.

Ende der 70iger begründete sich dann ein Phänomen, welches im Deutschland der 50iger und 60iger Jahre unbekannt war. Die Rede ist vom Thema der Arbeitslosigkeit. Zudem wurden erste Tendenzen sichtbar, dass die Gesellschaft sich in einem Umbruch befand. Spätestens in den 80iger Jahren nahm die Zahl der klassischen Familien ab. Oftmals galt nun: Beide Partner gehen arbeiten und mehr und mehr rückten staatliche Einrichtungen wie Kindergärten und Schulen in den Focus, was die Beauftsichtigung der Kinder anging.

Die 80iger Jahre waren aber auch das letzte tatsächlich “fette” Jahrzehnt, wenn es um den Zuwachs von Einkommen ging. In diesem Jahrzehnt gab es durchaus tarfliche Erhöhungen von 6 bis 7 Prozent in den Tarifabschlüssen. Auch die 80iger forcierten mithin das Thema Inflation. Wir lebten weiterhin in einem Zeitalter der hohen Zinsen.

Wenn Kapital und Personal teuer ist, so suchen Arbeitgeber nach neuen Wegen. Die 80iger und 90iger Jahre setzten völlig neue Trends, die auch von internationalen Rahmenbedingungen bestimmt wurden. Stichworte sind internationaler Konkurrenzdruck, Globalisierung, technische Innovationen in der Computertechnik und Wandel der Gesellschaft. Die fetten 70iger und 80iger Jahre, mit hohen Zinsen und Inflationsraten, zeigten nun Auswirkungen. Durch den technologischen Fortschritt konnten Unternehmen Personalkosten senken. Die Formel lautete “Maschine ersetzt Mensch”. Die Zahl der Haushalte mit einem Einkommensbezieher nahm mehr und mehr ab. Gleichzeitig stieg die Zahl der Arbeitslosen. Die Arbeitslosigkeit wurde mehr und mehr zum Problem in Deutschland. Die negative Auswirkung dieser Trends auf die Sozialkassen wurde zudem immer offensichtlicher!

Das Schlagwort der 90iger Jahre und des Jahrtausend Wechsels dürfte die Globalisierung gewesen sein. Die Technik ist und war mittlerweile so ausgereift, dass Unternehmen global agieren konnten. Ein gutes Beispiel dieses Trends bietet die Firma adidas. Mitte der 80iger beschäftigte adidas am Standort Deutschland 3.000 Mitarbeiter, die alle Arbeiten abwickelten. Das Unternehmen würde es, ohne die folgenden Umstrukturierungen, heute sicher nicht mehr geben. Sukzessive wurden Aufgaben global verteilt. Marktforschung, Produktentwicklung, Logistik und Verwaltung befinden sich heute in Deutschland und den USA. Die Produktion selber findet in einem preiswerten Drittland statt. Heute beschäftigt adidas alleine in Deutschland, ohne Produktion, etwa 3.000 Mitarbeiter. Viele Unternehmen folgten diesem Rezept: Die Ingenieur Leistung wird in Deutschland erbracht, die Produktion hingegen in einem preiswerten Drittland.

(Fortsetzung folgt)


Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

 

moneyblitz.de ©2018. All Rights Reserved.